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<nettime> Fwd: Parts of the University of Vienna occupied
Christiane Robbins on Sun, 25 Oct 2009 20:11:42 +0100 (CET)


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<nettime> Fwd: Parts of the University of Vienna occupied


Begin forwarded message:

>after a manifestation of students today against the bologna-process  and
>in solidarity withe the squating of the academy of fine arts two days ago,
>parts of the university of vienna have been occupied  spontanously.  right
>now there are 2000 students taking part in the occupation. about three
>hour ago the police has left the university. right now the students are
>discussing how to act during the next days and there will be a party in
>the university tonight as well. further information probably will follow.
>
>last not least, the academy of fine arts in vienna is still squated.
>
>website of an autonomous students group
>http://freiebildung.at/wordpress/
>
>video of the occupation
>http://qik.com/video/3290414
>
>live-tickers on twitter and facebook
>http://twitter.com/Unibrennt
>http://twitter.com/gewure
>http://www.facebook.com/pages/Audimax-Besetzung-in-der-Uni-Wien-Die-Uni-brennt/
>
>further media-coverage
>http://derstandard.at/fs/1254312155865/Studenten-besetzen-Audimax-der-Uni-Wien
>
>greetings, rainer
>
>Eduard Freudmann schrieb:
>>information in german language, an english translation will follow.
>>
>>
>>---------------------
>>
>>Der Bologna-Prozess strebt die weitgehende Konvergenz mit dem  
>>angloamerikanischen Bildungssystem an. Ziel ist es in den  
>>Wettbewerb des globalen Bildungsmarktes einzutreten um die eigene  
>>wirtschaftliche Position zu st?rken und forschungsabh?ngige Ertr?ge  
>>zu erh?hen. Die Etablierung regulativer Normen und die  
>>Harmonisierung der Standards ist hierf?r gleichzeitig Grundlage und  
>>Voraussetzung: Ohne Standardisierung keine Messbarkeit, ohne  
>>Messbarkeit keine Vergleichbarkeit, ohne Vergleichbarkeit kein  
>>Wettbewerb. ?konomisierung und Wettbewerbisierung werden bis in die  
>>letzten Winkel der Wissenslandschaft getragen.
>>
>>Daraus resultiert nicht nur der interkontinentale Wettstreit  
>>sondern auch jener zwischen den EU-Mitgliedsstaaten, innerhalb  
>>derer wiederum die einzelnen Universit?ten untereinander sowie  
>>deren Institute ihrerseits um die besten Ergebnisse und Statistiken  
>>konkurrieren.
>>Diese Prozesse zur Schaffung einer Bildungs?konomie mit Wissen als  
>>gehandeltem Gut, entsprechen den allgemeinen Bestrebungen von  
>>Privatisierung und Kommodifizierung aller Lebensbereiche im  
>>neoliberalen Kapitalismus. Sie f?hren zu einer verst?rkten  
>>Abh?ngigkeit der Bildungseinrichtungen von ihren ErhalterInnen, was  
>>zynischerweise als Autonomisierung der Universit?ten betitelt wird.
>>
>>Autonomie ist in diesem Zusammenhang ein Euphemismus f?r die neuen  
>>Formen der Steuerung von Institutionen. Die autonomisierten  
>>Hochschulen sind alles andere als autonom im Sinne von  
>>selbstbestimmt. Vielmehr werden sie dazu angewiesen, die  
>>Bed?rfnisse von ?konomie und Industrie zu erf?llen sowie sich  
>>selbst der Marktlogik im Sinn von Effizienz, Wettbewerb und  
>>manageriablen Leitungsstrukturen zu unterwerfen. Die in den 1970-er  
>>Jahren durchgesetzte Demokratisierung der Universit?ten wird  
>>sukzessive abgeschafft, demokratisch legitimierte Gremien werden  
>>entrechtet und durch wirtschaftsorientierte Top-Down-Hierarchien  
>>ersetzt.
>>
>>In der Beschaffenheit des dreistufigen Studienmodells der Bologna- 
>>Architektur manifestiert sich der in den letzten Jahren vollzogene  
>>Paradigmenwechsel von einem pluralistischen Bildungsideal hin zu  
>>einer spezialisierten wirtschaftsorientierten Ausbildung. Die  
>>Akademie der bildenden K?nste hat sich wiederholt und eindeutig  
>>gegen diese Degradierung und gegen die Etablierung des Bachelor- 
>>Master-Systems ausgesprochen.
>>
>>
>>Wir weigern uns, uns der Logik von Politik und Wirtschaft zu  
>>unterwerfen!
>>
>>Wir k?mpfen f?r unsere Selbstbestimmung von Lernen, Lehren und  
>>Forschen!
>>
>>Wir solidarisieren uns mit den Bildungsprotesten in Bangladesch,  
>>Brasilien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland,  
>>Gro?britannien, Indien, Iran, Italien, Japan, S?dkorea, Kroatien,  
>>Niederlande, Serbien, S?dafrika, USA!
>>
>>Wir sind gegen wirtschaftsorientierte Organisationsstrukturen an  
>>Universit?ten und gegen die Privatisierung von Lehre, Forschung und  
>>Wissensproduktion. Wir fordern die staatliche Ausfinanzierung sowie  
>>die Re-Demokratisierung aller Bildungseinrichtungen und die  
>>bedingungslose Abschaffung von Studiengeb?hren!
>>
>>Wir sind gegen die Pseudo-Autonomie der Universit?ten. Wir fordern  
>>die sofortige Abschaffung des ?8* im UG 2002!
>>?8. "Die Bundesregierung kann auf Vorschlag der Bundesministerin  
>>oder des Bundesministers einer Universit?t oder mehreren  
>>Universit?ten durch Verordnung die Einrichtung eines Studiums  
>>auftragen, wenn dies aus ?bergeordneten bildungspolitischen oder  
>>wissenschaftspolitischen Gr?nden erforderlich ist und keine  
>>diesbez?gliche Einigung im Rahmen einer Leistungsvereinbarung  
>>erfolgt."
>>Wir fordern die Freiheit, Lehre und Forschung, Wissenschaft und  
>>Kunst an den Universit?ten selbstbestimmt zu definieren.
>>
>>Wir sind gegen die Qualit?tsbeurteilung von Wissenschaft und Kunst  
>>anhand ?konomischer Kriterien. Wir sind gegen die zwangsverordnete  
>>Selbstvermarktung der Universit?ten und gegen die  
>>Wettbewerbisierung und Elitisierung der Bildungslandschaft.
>>Wir fordern die Abschaffung von Wissensbilanzen und  
>>Leistungsvereinbarungen!
>>
>>Wir sind gegen die Degradierung der Universit?ten und Schulen zu  
>>arbeitsmarktorientierten Ausbildungsst?tten. Wir sind f?r  
>>selbstbestimmtes Lernen, Lehren und Forschen ohne Regulierung,  
>>Normierung, Zeit- und Leistungsdruck.
>>F?r Bildung und Reflexion gegen Ausbildung und Reproduktion!
>>
>>Wir fordern die Regierung auf, Unterricht und Kunst, Wissenschaft  
>>und Forschung nicht getrennt voneinander zu denken und zu  
>>administrieren. Wir fordern die unverz?gliche Zusammenlegung der  
>>zust?ndigen Ministerien.
>>
>>Wir fordern vom Rektor, bei den Leistungsvereinbarungen gegen?ber  
>>dem Ministerium die Position der Akademie zu vertreten und nicht  
>>seine Privatansichten.
>>
>>Wir fordern vom Rektor die Aufrechterhaltung aller bestehenden  
>>Diplomstudien, gem?? den an der Akademie getroffenen Beschl?ssen.
>>
>>Wir fordern die unverz?gliche Offenlegung s?mtlicher  
>>Finanzaktivit?ten des laufenden Leistungsvereinbarungszeitraums  
>>2007 bis 2009.
>>
>>
>>Verfasst von Lehrenden und Student_innen der Akademie der bildenden  
>>K?nste Wien.
>>
>>----------------------------
>>
>>http://www.malen-nach-zahlen.at
>>http://www.facebook.com/group.php?gid=154379632337
>>http://twitter.com/malennach


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