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[rohrpost] Monsterbegriff Medien: Definitionen (für Uni-Leute)
Martin Lindner on Wed, 11 Dec 2002 15:50:04 +0100 (CET)


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[rohrpost] Monsterbegriff Medien: Definitionen (für Uni-Leute)


manuel bonik:
> "Medien" steht als Monsterbegriff, auf dem/n sich ach so vieles abladen
> und projizieren laesst, was dereinst mal auf Monsterbegriffe wie "Sprache"
> oder spaeter auch gerne "Gesellschaft" abgeladen und projiziert wurde. Dann
> wechseln die akademischen Moden, und - wir suchen schon wieder nach einem
> neuen Monsterbegriff?

Ja, de facto funktioniert "Medien" als "Monsterbegriff". Aus vielen Gründen -
u.a. auch deshalb, weil ein sehr mächtiger/suggestiver gesellschaftlicher
"Mythos" (im Barthes'schen Sinn) damit verknüpft ist. 

Darum ist es auch völlig richtig, zuerst mit einer trockenen Definition zu
antworten (und dann den Mythos zu analysieren, der ja auch gerade hier bei der
"Medienkunst" wirksam ist): 

harald hillgaertner
> Für einen "Monsterbegriff" mal eine "Monsterdefinition":
>"die Funktionen des Aufzeichnens, des Speicherns, der internen / externen
>Verarbeitung, des Abrufens / Verbreitens / Übertragens und der [...] 
>Aufbewahrung".
>(Burkhardt Lindner: Das optisch Unbewusste. In: Tholen, Georg Christoph;
>Schmitz, Gerhart; Riepe, Manfred: Übertragung - Übersetzung - Überlieferung.
Kassel 2001. S. 274.)

> Bietet jemand mehr?

Ja, jedenfalls länger.  (Obwohl ich nicht weiß, ob es "mehr" ist oder, was bei
der Definition von "Medien" immer anstrebenswert wäre, "weniger"): 

"... die komplexen, eigendynamischen und binnelogischen Systeme, die sich auf
drei Ebenen um ein technisches Verfahren zur Codierung, Übertragung und
Decodierung von Zeichen herum ausbilden: auf der Ebene des technisch
restringierten Proto-Codes (Kittler ...), auf der Ebene der eigenständigen
semiotischen/semantischen Codes ("Mediensprachen"als kulturelles Phänomen ...),
auf der Ebene der sozialen Systeme (Luhmann ...)."

"Technisch": Beginnend mit Fotografie und Telegrafie. 
Gezielt auszuschließen aus dem engen /exakten Begriff  von "die Medien":
vortechnische Schrift- und Bild-Medien (die nur in dem übertragenen Sinn
"Medien" sind, dass sie im Rückblick, von den seit ca. 1980 gültigen
Erkenntnissen über technische Medien aus, überhaupt erst als "Medien" begriffen
werden können); sämtliche ausgeweiteten Medienbegriffe ("die Sprache"; "das
Bild", "die Literatur", die Hostie/die Messe (Hörisch)) usw. ... und der
Luhmann'sche Medien-Begriff, der trotz Schwerverständlichkeit schon sinnvoll
ist, wenn er nicht "Medium" hieße. 

Bitte um Widerspruch.

Martin


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