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[rohrpost] n0name newsletter #32
sender on 30 Dec 2000 23:48:33 -0000


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[rohrpost] n0name newsletter #32


n0name newsletter #32 Kassel So., 31.12.2000 00:01 CET

<-------------- Breite: 74 Zeichen - Font: Courier New, 10 -------------->
27 KB, ca. 10 DIN A4-Seiten

                         The (un)real Millenium!                          

*Inhalt/Contents*

1. emailinterview_zaes
   E-Mail Interview mit Georg Christoph Tholen, Mitherausgeber und
   Redaktionsmitglied von Zaesuren http://www.zaesuren.de
2. rubrik stenzel
3. wurzelgeflechte, baum, Deep Commercial, visualisiert und 
   herausgefunden
   Directory's So., 17.12.2000 10:45
4. [net.art], [art.net]: Tilman Baumgaertel's 'Bibel' der Netzkunst
   Rezensionsremix von der n0name Redaktion
5. White Banner
   468 x 60 Pixel of Fame



1.

emailinterview_zaes

E-Mail Interview mit Georg Christoph Tholen, Mitherausgeber und
Redaktionsmitglied von Zaesuren http://www.zaesuren.de
Fragen: Matze Schmidt


Frage: Mit _Zaesuren_ geht ein Online-Magazin-Projekt ins WWW, das in der
Verbindung von philosophischer Medientheorie - als sich selbst vermittelnde
Praxis -, Journalismus und Kunst eine Art wissenschaftlich-essayistischen
Gegenpol bilden will, zum unuebersichtlich breiten Spektrum von eJournals.
Im Vergleich zu mittlerweile 'etablierten' Online-Magazinen wie Telepolis
und Aufsatz-Archiven wie CTHEORY und provokativ gefragt: Zieht da eine
Generation nur technologisch nach (Stichwort "Vom Print zum Online
Publishing"), oder geht es basal auch um neue Praktiken des Schreibens und
der Distribution?

Antwort: _Zaesuren_ sind ein bewuszt hybrides Medium: zum einen nutzt 
unsere Website die neuen Moeglichkeiten der Speicherung und Verbreitung 
von Texten und Bildern, die die globale Oeffentlichkeit des WWW erlaubt.
Verwandt mit aehnlichen Projekten im Netz (siehe ausgewaehlte links in 
den Zaesuren), die an dem Anspruch festhalten, Theorie und Reflexion mit 
der Erkundung und Beschreibung zeitgenoessischer Probleme und Phaenomene 
zu verbinden, findet man bei uns - in den Rubriken ‚aktuell', ‚Kunst', 
‚Archiv' usw. Texte und Materialien, die sowohl intervenierenden wie 
gedaechtnisbildenden Charakter haben sollen; zum anderen soll das - nach 
altbewaehrtem Muster - redaktionell streng betreute und  konzeptuell 
vorbereitete E-Journal _Zaesuren_ mit seiner halbjaehrlichen 
Erscheinungsweise die Tradition der Zeitschriften _Fragmente_ und _Spuren_ 
in den 80er und 90er Jahren unter neuem elektronischem Vorzeichen 
(anonymere Verbreitungsmoeglichkeit im WWW) wiederaufnehmen. 

Auszerdem haben wir bereits in der Gruendungsphase der Zaesuren ein 
internationales Advisory Board gebildet, dessen Empfehlungen an die 
Herausgeber dazu beitragen sollen, dass die Theoriebildung und die 
Themenfindung mehr als frueher nicht nur auf den deutschsprachigen 
Raum eingegrenzt werden soll. Wir erhoffen uns, von den Mitgliedern des 
Advisory Boards, zu denen u.a. Jacques Derrida, Jean-Luc Nancy, 
Avital Ronell, James Watson, Slavoj Zizek zaehlen, so beraten zu werden, 
dass Themen und  Autoren  gefunden werden, die (nach und nach) den 
Austausch an Ideen, Theorien und Politiken internationalisieren werden. 
Inhaltlich beansprucht dies bereits die erste Ausgabe der _Zaesuren_ - mit
den beiden Themenbereichen ‚Oekonomien der Differenz' und ‚Aisthesis'. 
Formal ist es uns aufgrund der bescheidenen, zum Teil privaten Foerderung 
(Sponsoring und Idealismus der beteiligten Autoren und Uebersetzer) 
nunmehr nach zweijaehriger Vorarbeit mit den seit Anfang Dezember 
erhaeltlichen _Zaesuren 1_ gelungen, neben den deutschsprachigen Abstracts 
auch englische und franzoesische Zusammenfassungen der Beitraege zu 
veroeffentlichen. Und einige Originaluebersetzungen. Um - so unser 
naechstes Ziel - alle Beitraege in den drei erwaehnten Sprache einer 
internationalen Leserschaft praesentieren zu koennen, beduerfen wir 
freilich einer groeszeren Unterstuetzung aus staatlichen wie privaten 
Mitteln. Immerhin aber hat schon jetzt die webgerechte Dreisprachigkeit 
der Zaesuren eine Distribution an Kontakten, Texten und Debatten bewirkt, 
die den redaktionellen Rhythmus der von uns bisher herausgegebenen 
Zeitschriften veraendert hat. 

Frage: Mit dem Quasi-Zusammenbruch der Mailboxsysteme, um etwa 1995, und 
ihrer Ueberfuehrung in das Internet hinein veraenderte sich auch die 
politische und oekonomische Stellung dieser Zirkel. Mit der Moeglichkeit, 
dass sich jeder eine Domain einrichten lassen kann, wird die Adressierung, 
man koennte sagen, teilweise stark individualisiert. Bezogen darauf: die 
Scientific Society wird immer als eine Form offener Wissensvermittlung 
identifiziert - ist hier der strategische Ansatz zu finden, der 
interessiert? Und wenn ja, warum nicht in der radikalen Form
einer "Open Theory" ohne Copyright und mit komplett freiem Zugang zu 
allen Rubriken?

Antwort: Wie oben bereits angedeutet: unsere Intention ist es, alte 
Tugenden und neue Medien zu verbinden. Anders gesagt: Pure Informations- 
und Bilderflut unabzaehlbarer Homepages, die in schierer Redundanz zumeist 
nur den Narzissmus des im anonymen Web sich Praesentierenden bezeugen, 
oder - unredigiert und distanzlos - nur die neuen IT-Medien als solche 
bewerben oder umwerben, ist nicht unser Konzept. Manche Utopien der 
Netzgemeinschaft, die hypertextelle Rhizomatik mit dem Mythos, instantan 
mit allem und allen verbunden zu sein, verwechseln, erweisen sich - naeher 
betrachtet - als Vermeidung von Reflexion und Selbstkritik. Willkuerlich 
montierte Zitate etwa ersetzen nicht die Lektuere, weder die von Texten 
noch die von Bildern oder Toenen. Deshalb beharren wir auf der - 
aesthetischen wie oekonomischen - Wertschaetzung eines Produkts, das 
nicht kostenlos sein kann und soll: Die redaktionelle Betreuung zum 
Beispiel jedes Beitrages des E-Journals erfordert Zeit und Behutsamkeit - 
zwei Aspekte, die in der Herausbildung einer kulturellen und 
kuenstlerischen Ueberlieferung, die ihrerseits davon lebt, Fragen zu 
stellen, wichtig werden koennten. 

Frage: _Zaesuren_ operiert mit "Dissonanzen und Inkohaerenzen" als positiv
besetzte Begrifflichkeiten. Ist das nebenbei eine kritische Front der
sogenannten Zweiten Moderne gegenueber? Oder gehoert das Prinzip der
Zaesur, des Abstandes zwischen der Funktionalitaet, die Prozessen
zugeschrieben wird, nicht vielmehr zum genuinen Programm der Moderne? 

Antwort: Nun, wir drei Herausgeber, und nach meinem Kenntnisstand auch die 
bisher eingeworbenen Mitglieder des Advisory Boards der Zaesuren, halten 
wenig von einer kurzatmigen Etikettierung von Moderne, Postmoderne, 
Nach-der-Postmoderne usw, die in den letzten Jahren manchmal das Denken 
auf journalistisch verwertbare Labels reduzieren wollte. Wir haben daher 
im konzeptuellen Rahmentext des Zaesuren-Projekts und im Editorial der 
ersten Ausgabe des E-Journals (siehe hierzu die dreisprachige Fassung in 
der Website unter www.zaesuren.de) betont, dass wir statt von vorschnell 
fixierten Epochenschwellen lieber von dem Begriff der Epoché - der 
Urteilsenthaltung und des Einschnitts - ausgehen, zwei Bedeutungen, die im 
Wort Zaesuren (bzw. Césures und Incisions) markiert sind. Es geht uns 
ebenso um unabgegoltene Fragen und Moeglichkeiten wie um Brueche, Traumata 
und Wunden, die zu konturieren und zu exponieren das E-Journal beabsichtigt. 
Das hierbei eine Ueberschneidung der Themenfelder Philosophie, Kunst, 
Medien und Politik unser Markenzeichen sein soll, hat gewiss 
biographische Gruende (Kompetenz der bisherigen Herausgeber), aber nicht 
nur. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass der Dialog zwischen Theorie, 
Medien und Kunst, der in dieser Zusammenfuehrung ein neues  Forum im 
elektronischen Medienverbund bilden koennte, einen Ort findet, der nicht 
mehr nur ein printmedialer sein kann. Ein Bestandteil dieses Forums 
sollen unsere ‚Gespraeche' darstellen: Werk- und Tendenzanalysen mit 
namhaften Autoren statt Talkshows um des Talks willen (so in der ersten 
Ausgabe die Gespraeche mit Peter Weibel, Wolfgang Hagen und Georges-Arthur 
Goldschmidt)

Frage: Drei wichtige Teil-Analysen werden in der startext.htm von
_Zaesuren_ als Praemissen fuer die Motivation angegeben, ueber
Verknuepfungen aesthetischer und zugleich wissenschaftlicher wie auch
politischer Reflexion nachzudenken: "Die Globalisierung der Oekonomie, der
Zerfall politischer Systeme und die elektronische Matrix medialer
Ereignisse". 
Wie koennte sich, grob gesagt, die interdiszplinaere Verknuepfung der
Reflexions-Bereiche, in Richtung der zu beobachtenden Buendelung dieser
drei Momente - Globalisierung, Systemzerfall, mediale Matrix - zu einem
Komplex im Kontext der Technokultur auswirken, oder wo geschieht das 
bereits?

Antwort: Wenn Sie unter ‚Technokultur' meinen, dass mit der weltweiten 
Telematisierung und Digitalisierung der Speicherung und Uebertragung von 
Daten jedweden Formats eine noch unausgelotete Disponibilitaet vormaliger 
kultureller und aesthetischer Normen, Stile, Praktiken und Aesthetiken 
gegeben ist, dann lassen sich folgende Themenfelder angeben, die der 
‚medialen Matrix' sich verdanken: Zwischen kommerziellem Pop-Sampling und 
virtuellen Synthesen von ungewohnten Klaengen und Bildern artikulieren 
sich im Zeitalter der Globalisierung sowohl homogenisierende wie 
disseminierende Tendenzen. Aehnliches gilt fuer webbasierte partiale 
Oeffentlichkeiten und Politiken, fuer kuenstlerische Produktionsweisen 
und ihre neuen Rezeptions- und Verwertungswege. Und schlieszlich scheint
mir am aufregendsten derzeit die Erprobung hybrider, d.h. intermedialer 
Darstellungs- und Erzaehlweisen zu sein, die sich mit dem postdramatischen
Theater, den Video-Raum-Installationen, bestimmten Netzkuensten und neuen 
Bildgebungsverfahren herauskristallisieren. Im Spannungsbogen zwischen 
problematisch gewordenen Repraesentationsmuster von Autorschaft und 
Autoritaet und experimentellen Erkundigungen einer ‚kollektiven 
Gedaechtnisbildung', die die Chancen der digitalen Plattform nicht 
leugnen, will das E-Journal Zwischenraeume der Reflexion ‚einrichten', 
jenseits der Alternative von retrograder Kulturkritik und blinder 
Affirmation der sog. ‚Neuen Oekonomie'. 

Frage: Mit der Weltanschauung eines Lustgewinns *im* Medienverbund *durch*
den Medienverbund, der sich vaeterlich in die Bewusstseinslagen der
affirmierenden User einschreibt, wie Hans-Joachim Lenger in seinem Aufsatz
ueber die TV-Serie "Big Brother" analysiert, wird deutlich, dass so etwas 
im Entstehen ist wie der Mutant einer vormals mit utopischer Vorfreude
apostrophierten Informationsgesellschaft. 
Nicht die Protest-Attacke scheint aber hier das Adaequate zu sein; was
Joerg Sasse mit dem _WeltBild-Archiv_ vorschlaegt ist, die Technik der
Bilderzeugung als eine mediale Technik zu begreifen, die Weltbilder erst
erzeugt und nicht abbildet.
Inwieweit koennte demnach der "Eingriff" in die Lesbarkeiten von Medien
jenseits der schon vorhandenen Plattfomen eingehen? Bleibt nicht ein Rest
uebrig, den man schlicht auf den 'geografischen' Unterschied bringen
koennte: dort der massenwirksame Konsens, hier die Kritik?

Antwort: Um Ihre Metapher aufzunehmen: allenfalls bleibt ein ‚psycho-
geographischer' Unterschied zwischen Kritik und Konsens bedeutsam. Mehr 
noch: nach dem ‚Ende der groszen Erzaehlungen' vom utopischen, d.h. 
erfuellbaren oder vollendbaren, ‚Sinns der Geschichte' (eine Ende 
uebrigens, das keineswegs zu verwechseln ist mit der apokalyptischen und 
verlustrhetorischen Redefigur des absoluten Endes von Geschichte, Politik,
Subjektivitaet usw.) verschiebt sich nur die Frage nach dem Ort der 
Einbildungskraft, des Politischen, Oekonomischen und Technischen: eine 
Baustelle der Reflexion, deren Begriffsbilder und Begriffsbildungen (um 
einige prominente zu nennen: das Rhizom, das Dispositiv, die Differance 
und die Trinitaet des Realen, Symbolischen und Imaginaeren) auch in ihrer 
phaenomenologischen Geltungskraft ueberprueft werden wollen. Ob es den 
Zaesuren gelingt, im Vergleich zu aehnlichen E-Journals, die es ja bereits 
gibt, ein ‚eigenes' Profil zu finden, ist natuerlich ungewiss und haengt 
auch von einer sich ausdifferenzierenden Leserschaft ab, die an sich 
selbst den sich veraendernden Umgang mit alten und neuen Medien 
(Printmedien und elektronische Medien) reflexiv begleiten will. 



2.

rubrik stenzel

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3.

Directory's So., 17.12.2000 10:45
 |
 |
[-]--Literatur im Internet 
 |   http://www.berlinerzimmer.de 
 |   (C)opyright Sabrina Ortmann und 
 |   Enno E. Peter 2000
 |    |
 |    |
 |    |--Der tage-bau hat den Innovationspreis des
 |    |  arte-them {AT} -Literaturwettbewerbs gewonnen!
 |    |  http://www.berlinerzimmer.de/tagebau/default.shtml
 |    |  http://www.arte-tv.com/them {AT} /dtext/wettbewerb/lit_wett/
 |    |  lit_wett_fs.html           
 |    |           
 |   [-]--Enno E. Peter
 |    |   http://www.berlinerzimmer.de/nop/ich.htm 
 |    |
 |    |
 |   [-]--http://www.novedia.de/
 |        Engineering for the New Economy
 |        Aufsichtsrat
 |        Archibald Horlitz (stellvertretend)
 |        Gründer und Vorstandsvorsitzender der
 |        GRAVIS AG; seit 1985 Unternehmer in der
 |        IT-Branche; Gründungsgesellschafter der
 |        Firmen Pixelpark, Meilenstein und Formac.
 |         |
 |         |
 |        [-]--Novedias Kunden:
 |             Pixelpark
 |             ist seit Oktober 1999 am Neuen Markt in
 |             Frankfurt am Main notiert. "Der Schritt an den 
 |             Neuen Markt sichert uns auch langfristig die 
 |             Möglichkeit den rasant wachsenden Bereich der 
 |             Neuen Medien mit innovativen Produkten und Services 
 |             maßgeblich zu gestalten," so Paulus Neef, 
 |             Vorstandsvorsitzender der Pixelpark AG. 
 |             Das durch den Börsengang erzielte Kapital soll
 |             in Strukturen, Produkte, Know-how und die 
 |             Akquisition interessanter Unternehmen investiert 
 |             werden.
 |             http://www.pixelpark.de/de/ 
 |              |
 |              |
 |             [-]--Kunden Pixelpark
 |                  http://www.ard.de/index.html
 |                  |
 |                  |
 |                 [-]--Die ARD ist Partner bei vier werbefreien
 |                      Fernseh-Zusatzangeboten: ARTE,
 |                      PHOENIX, Kinderkanal und 3sat. 
 |                      http://www.ard.de/fernsehen/kooperationen/
 |                      index.html
 |                      http://www.arte-tv.com/
 |                       |
 |                       |
 |                      [-]--Was ist them {AT}  ?
 |                           · them {AT} 
 |                           lädt ein, die digitale Revolution 
 |                           mitzuerleben, die Netze von morgen zu 
 |                           durchwandern und über ihre Auswirkungen auf 
 |                           die Gesellschaft, Wirtschaft und Kulturleben 
 |                           nachzudenken.
 |                           · them {AT}  
 |                           ist von und für diejenigen gemacht, die 
 |                           erfahren wollen, was eine neue, aktive und 
 |                           kreative Generation tut und warum sie 
 |                           Grenzen und Barrieren immer neu in Frage 
 |                           stellt.
 |                           http://www.arte-tv.com/them {AT} /dtext/
 |                           index_ns.html
 |                            |
 |                            |
 |                            |--Interaktiver Roman
 |                            |  Teilnahmebedingungen
 |                            |  Der interaktive Roman wird von der 
 |                            |  ARTE-Redaktion durch einen kurzen 
 |                            |  Einstiegstext und die Biographien der 
 |                            |  fünf Helden gestartet und von den 
 |                            |  Internetusern weiter geschrieben. Die 
 |                            |  Internetschriftsteller können an jeder 
 |                            |  beliebigen Stelle der Geschichte 
 |                            |  eingreifen und die Beiträge anderer User 
 |                            |  fortführen.
 |                            |  http://www.arte-tv.com/them {AT} /dtext/
 |                            |  ia_roman/index.html
 |                            |
 |                            |
 |                            |--What Will Be: Die Zukunft des 
 |                               Informationszeitalters 
 |                               Michael Dertouzos Geleitw. v. Bill Gates
 |                               Springer, Wien, 1999
 |                               http://www.arte-tv.com/them {AT} /dtext/
 |                               kultur_digital/report/report_fs.html
 |
 |
[+]--Nach dem Hype 
 |
 |
 |--Trash



4.

[net.art], [art.net]: Tilman Baumgaertel's 'Bibel' der Netzkunst
Rezensionsremix von der n0name Redaktion

*reprogrammiert


das buch ist ein gutes buch, nicht weil es materialien liefert, sondern 
weil es selbst material ist.
der ephemere und mittlerweile museale charakter von netz.kunst fordert 
geradezu zur desystematisierung und zur diskurskritik seiner historie 
heraus. dieses buch gehoert dazu. hat sich der berliner journalist und 
vertretungsprofessor Tilman Baumgaertel dieser aufgabe verschrieben? in 
dem buch "[net.art]" geht es nach aussage des klappentextes darum, eine 
"mosaikartige Uebersicht" zu geben (ironischerweise heiszt ja einer der 
ersten browser auch mosaic, und man weisz ja, dasz Browser - 
phaenomenologisch gesehen - immer nur grafische »Daten-Darsteller« sind, 
die einzigen "Darsteller" die wir haben).
die intim-oeffentliche form des interviews scheint denn auch die noch 
einzig geeignete zu sein, sich einem thema im modus sich 
herrschaftsfrei gebender wissenschaftsprosa zu naehern.
die eckige klammer um den begriff und das genre, zugleich ab-verbunden 
vom/getrennt zum technischen apparat will es schon beweiszen: netzkunst 
bildet nicht mehr kunst sondern aesthetische ordnungen, unterschiede, die 
unterschiede machen, um sie letztlich doch noch rahmen zu koennen (?).*



*das asoziale als kunstwerk*
im vorwort bestimmt tilmann baumgaertel netzkunst durch ihre bezugnahme 
auf die spezifischen bedingungen des internets. "Net.art" sei etwas 
anderes als blosze "Kunst im Netz", da sie "dezidiert mit den genuinen 
Eigenschaften des Internets", also netzspezifisch arbeite: das 
beruehmtberuechtigte "Nicht im Medium sondern mit dem Medium arbeiten".
die liste, die danach folgt ist denn auch das vorlaeufige who-is-who des
schon festgeschriebenen labels, das ja als versoehnung zwischen 
anti-genre und branche gedacht ist. warum nicht "informationskunst" 
benutzen, wie karl heinz jeron und joachim blank sagen (die im buch 
fehlen) - denn jener kritische fokus auf dem material, den bahnen, den 
netzen, dem gesellschaftlichen liegt nicht immer nur fashionable im 
anglikanischen transnationalismus des popistischen (...art), sondern auch 
in der schoenen grauen langeweile des alltags am rechner. das buch 
erinnert ein biszchen an graffitti-anthologien, die leicht ins 
nostalgische verschoben wunderschoene verschrobene geschichten erzaehlen 
und dabei langsam abschied nehmen von Echten Szenen, Originalschauplaetzen
und 1.-Generation-Epochen. so lassen sich diese "Materialien zur 
Netzkunst" auch als das lesen, was man als schriftstellerisches losloesen 
von bindungen bezeichnen koennte, ein impuls der diese bindungen aber 
ebenso verstaerkt - eine art totenbuch oder bibel. viele texte und 
gespraeche aus dem buch findet man irgendwo 'im' netz, ihre ueberfuehrung 
in das gar nicht so netzspezifische medium Buch ist als formalie allein 
eine rueckbindung ans tradierte und immernoch perfekte interface ... fuer 
den rezpienten, aber nicht den schreiber! ohne es gelesen zu haben geht es
weiter: vor jahren (1995) kursierte der running gag von "ist das 
netzig?", gemeint war eben jene kategorisierung in "Ausstellen oder 
Dekonstruktion!" digitalitaet war damit schon der alte pradigmenwechsel, 
der neue das waren bezuege zur mailart, zur telematik und geschwindigkeit, 
zu bildschirmmedien und zum Apparateaufschrauben. das politisch 
motivierte war implizit; technoides WAR politisch, das ueberfuehren
technisch-sozialer Gegenbenheiten ins Feld der Kunst war bequem, weil es
das feld der kunst war wo das eben distributiv und reflexiv moeglich war.
medien, die nicht souveraen waren wurden, souveraen gemacht und 
vielleicht vorschnell aesthetisiert, weil das labeling alles beruhigen
konnte - raus aus dem militaerischen kontext, rein in den kunstbetrieb?
genau das beklagt Robert Adrian X, indem er diese ungewollte bindung an 
kuenstlerisches oberflaechendsign von militaerischen
Telekommunikationstechnologien anmahnt (S. 035), was bis zur 
verharmlosung gehen kann. es scheint so, als ob die 
verweigerungshaltungen gegenueber den praktiken des kunstbetriebs, die
avantgardehaltung, von ihrer eigenen ambivalenz eingeholt wird, indem man 
diese nun zur schau stellt. die ironische einfuehrung in die netzkunst von
Natalie Bookchin und Alexej Shulgin belegt das sehr genau 
(http://www.easylife.org/netart/catalogue.html), weil es eben, ganz 
entgegen schulgins eigener aussage nicht (mehr) egal ist, von wo die 
daten kommen (S. 121). die kontextlosigkeit sogenannter kuenstlerischer 
arbeit an netzen ist umgeschlagen in ein musz zum immer neuen kontext, 
zur kontext-kontextualisierung, weil ihr verschwinden, sprich das loeschen 
der daten, von verwertung und erzaehlung, von wissenschaft aufgehalten 
wird - doch der alte Unsterblichkeitszwang oder notwendigkeiten eines 
Wirksamwerdens?


*wiedergefundene aussagen*
das gepriesene ephemere von "netzkunst" erhaelt einen speicher und platz, 
wird verortet und laeszt sich so in das verlassene terrain zurueckholen.
alles topologische wird wieder relevant und in eine bestimmte geschichte, 
in diesem fall kunstgeschichte, gelegt. kunst im netz, kunst am netz, 
kunst mit dem netz: dafuer musz man kein programmierer sein. die these 
vom demokratisierungseffekt geht immer (noch) um, die these vom
Dissidentismus (am PC).


*technik: reflexivismus*
kunst ist auch technik, aber die kunst des netzes, oder vormals, in 
zeiten als die konzentration nicht auf einem der datendienste lag, der
netzE, die kunst des nun einen netzes also beansprucht nicht selten, 
den regress der moderne umzukehren auf die spitze des technologischen
zeitstrahls, der aber in seiner funktionabilitaet immer schneller ist als 
die dekonstruktion. net-art kann nurmehr den modus der (dadaistischen) 
stoerung oder die halbaffirmative strategie der vortizisten waehlen.
Die technologischen Dispositive und die bedingungen der moeglichkeiten 
werden es ihnen danken. an die kuenstler kommt man aber so nicht ran, 
nicht mit diskurskritik, antistars werden so nicht produziert. hier fehlt
die anerkennung durch die institution und der theoretiker, die sich aber
mit einem gestus als sei sie weder-noch "netzwissenschaft" (Dr. Reinhold 
Grether) nennt, ihre absetzung vom wissenschaftlichen als solchem wird 
wieder aufgehoben in der bestaetigung einer revitalisierung unter neuen
vorzeichen, die sich in neuen formationen der wissensverteilung bildeten. 
netzkunst und netzwissenschaft sind, als inzestioese kinder der immer als 
selbstreflexiv gedeuteten generation kultureller items nach 1945, ganz 
nahe disziplinen, sie zeigen - wie alle cultural studies - den 
distanzlosen zirkel auf in dem sie sich bewegen. netzunspezifische kunst 
in den zirkel hineinzuholen kann diesen nur erweitern und den markt 
vergroeszern. Was man als B2N (Business-to-Nonbusiness) bezeichnen 
koennte wird von genau den veranstaltungen und unternehmen verwirklicht, 
von denen die charakteristika baumgaertels (konnektivitaet, globalitaet, 
multimedialitaet, immaterialitaet, interaktivitaet und egalitaet - klingen
wie ein verspaetetes manifest des netzes insgesamt) nichts erwarten 
koennen auszer das immergleiche bild der technokuenstleravantgarde, deren
design als ideenlieferant der kulturindustrie ("Kulturindustrie") 
fungiert, Jobmacher und -killer demnach. "Kontext, Kontext, Kontext" ist
vielleicht nicht mal die falscheste forderung, nur die praemissen muessen
endlich verhandelbar werden, mit anderen worten: weg mit dem diktum des
kuratorentums, oeffnung der plattformen und transparente spezialisierung
und oekonomisierung mit vetorechten!

*daten vs. daten*
topo- und typologieversuche sind verlockende reduktionismen; wie sie alles
klar machen ... . die schere zwischen politischen ansaetzen (im buch als
ein ursprung der net.artisten geortet) und kuenstlerischem spiel, die 
daemliche alte frage nach form und intention, wird als thema virulent!!
der null-abstand der kunst zu ihr selbst wurde in den 80ern und immer
vorgefuehrt, auch buerokratien kennen nur das raster ihrer formulare.

Tilmann Baumgaertel (Verf.). _[net.art]: Materialien zur Netzkunst_. 
Herausgegeben vom Institut fuer moderne Kunst Nuernberg. 180 Seiten mit
91 Abb., davon 63 in Farbe. Broschiert. DM 58,- ISBN 3-933096-17-0

-> Texte zur Kunst maerz 2000 heft 17 dm 25,-



20000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000001



5.

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"Kunst ist Werbung."
              (nicht von Oliviero Toscani)

468 x 60 Pixel of Fame

Die Kopplung neuer kuenstlerischer "Betaetigungsfelder" mit dem 
profitgesteuerten tribalistischen Gedanken, genannt Community, protegiert 
von bestimmten Zentren (Zentralen) und legitimiert durch die 
Gradwanderung zwischen Kritik und Kommerz? Sich im Kriterium der B2N 
(Business-to-Nonbusiness) tummeln.

Ali Emas <ali.emas {AT} n0name.de>

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