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Re: [rohrpost] Workshop Freie Software
Jan Ulrich Hasecke on Thu, 16 Jan 2003 12:05:05 +0100 (CET)


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Re: [rohrpost] Workshop Freie Software


Henning Ziegler <hziegler {AT} zedat.fu-berlin.de> schrieb:

> Im krassen Gegensatz dazu steht deren Verbreitung auf
> Workstations. An diesem Problem sind doch auf politischer Ebene
> schon die 68er gescheitert: Warum hat keiner Lust auf die
> Revolution? Ist alles _doch_ nicht so schlecht? Würdest du das
> biologisch oder pragmatisch erklären? Ist eben unbequemer, die freie
> Software? Die Rede von der Freiheit im Bezug auf Software und
> Technik steht auf einer Seite mit Apples oder AOLs Einfachkeits- und
> Freiheitsslogans. Es gilt sie daher kritisch zu hinterfragen.

Natürlich ist freie Software unbequemer, doch dies ist kein inhärentes
Merkmal der freien Software, sondern ein von außen bestimmtes Merkmal:
die Marktmacht von Microsoft führt dazu, dass auf allen Computern, die
du im Laden kaufst, Windows irgendwas drauf ist. Dies ist eine
wirtschaftliche Zwangssituation, die wie viele wirtschaftliche
Zwangssituationen nicht empfunden wird, solange man sich von ihr nicht
_befreien_ will. Sprich solange man nicht nach _Alternativen_
fragt. Nach Alternativen fragen, heißt aber den Verstand ohne
Anleitung eines Dritten zu benutzen. Nach Alternativen fragen, ist der
Motor der (Systemtheoretiker bitte in Deckung gehen!) Aufklärung.

Menschlich ist alles drei: Jeder strebt danach wirtschaftliche Macht
ausüben zu können, jeder schwimmt gern mal so mit und manche fragen ab
und zu nach Alternativen. Ohne die dritte Gruppe würdest du heute noch
auf einem Baum sitzen und nach eine Äffin Ausschau halten.

Welche Kriterien die jeweils gefundenen Alternativen aufweisen (leicht
zu administrieren, sicher, blöde Desktopintegration) ist wieder eine
andere Frage, die nach neuen Alternativen suchen lässt.

Freie Software ist für mich deshalb nicht Linux oder BSD oder XYZ,
sodass diese Produkte auch nicht in sich das Heil versprechen. Freie
Software ist die Möglichkeit und die Fähigkeit Alternativen entwickeln
und nutzen zu können und zwar Alternativen, die man selbst entwirft
und sich nicht von einem Herrn Gates oder sonstwem vorschreiben lässt.

Ciao!
juh

-- 
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